Die Gendermedizin erforscht Unterschiede zwischen Männern und Frauen, dabei tauchen oft erstaunliche Abweichungen auf. Welche Alarmzeichen Frauen ernst nehmen sollten und welche Untersuchungen zur Früherkennung wichtig sind, haben wir dir in diesem Ratgeber zusammengefasst.
Mehr als 35 Millionen erwachsene Frauen leben derzeit in Deutschland. Im Vergleich zu Männern gelten sie als Gesundheitsexpertinnen. Warum? Frauen kümmern sich besser um ihr Wohlergehen und nehmen regelmäßiger Vorsorgetermine wahr. Das zeigt einen Effekt: So steigt die weibliche Lebenserwartung in den letzten Jahren kontinuierlich. Nach Angabe des Statistischen Bundesamts liegt sie derzeit bei 83,2 Jahren. Frauen werden damit im Durchschnitt fast zehn Jahre älter als Männer. Für alle Frauen, die bislang noch wenig für ihre Gesundheit gesorgt haben: Diese Tipps sollten Sie für gute Selbstfürsorge beachten.
Top! Frauen sind Gesundheitsexpertinnen! Sie leben im Durchschnitt fast zehn Jahre länger als Männer.
Sterberisiko Nummer eins sind in Deutschland Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Frauen besonders gefährlich: Ein Herzinfarkt wird bei ihnen häufig übersehen. Das liegt daran, dass Symptome, die betroffene Frauen schildern, oft als atypisch eingeordnet werden. So klagen Männer bei einem Herzinfarkt klassischerweise über einen stechenden Schmerz in der Brust. Frauen berichten eher von Abgeschlagenheit, Atemnot, Schulter-, Bauch- oder Rückenschmerzen. Auch Kieferschmerzen und Übelkeit werden genannt. Risiko: Wenn Frauen mögliche Symptome eines Herzinfarkts falsch deuten, kann es lebensbedrohlich werden, etwa bei Magen- oder Rückenproblemen. Im Fall der Fälle lieber einmal zu früh als zu spät die notärztliche Nummer 112 wählen!
Tipp
Frauen, die mit entsprechenden Beschwerden in die Notaufnahme kommen und mit einer Diagnose wie etwa Verdacht auf Magen-Darm-Infekt oder Migräne wieder nach Hause geschickt werden, sollten beharrlich bleiben und auf eine sofortige zweite Meinung bestehen.
Brustkrebs
Nach Herzerkrankungen ist Brustkrebs immer noch die zweithäufigste Todesursache bei Frauen in Deutschland. Mit jährlich mehr als 70.000 Neuerkrankungen betrifft Brustkrebs vor allem Frauen, bei Männern ist diese Tumorart selten. In den letzten 25 Jahren haben sich die Überlebenschancen dank besserer Diagnostik und Therapie stark verbessert – daher ist die Diagnose Brustkrebs heute kein Todesurteil mehr.
Tipp: Informieren dich über das Brustkrebsscreening
Der Effekt des Mammographie-Screenings: Im regelmäßigen Krebsbericht des Robert Koch-Instituts für Deutschland deutet sich ein Rückgang von Neuerkrankungen in fortgeschrittenen Stadien an. Dies kann als Hinweis auf einen Erfolg des Mammographie-Programms dienen.
Knochenschwund
Osteoporose betrifft ebenfalls vor allem Frauen. Besonders nach der Menopause steigt das Risiko für die Abnahme der Knochendichte. Jede vierte Frau ab 65 Jahren leidet darunter.
In Deutschland haben über 5 Millionen Frauen und 1 Million Männer ab 50 Jahren Osteoporose.
Das ist nicht direkt lebensgefährlich, aber riskant. Denn bei Stürzen drohen dann schneller Brüche – was mit zunehmendem Alter weitere schwere Folgen haben kann. Früherkennung bietet die Chance, diese und andere Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Häufig lässt sich der Verlauf und das Auftreten von Folgeschäden dann hinauszögern. Im besten Fall kann die Entwicklung der Krankheit sogar ganz gestoppt werden.
Der Termin zur Vorsorge kann verunsichern und Angst machen. Bereite dich auf Fragen am besten zuhause vor, zum Beispiel:
Termine, die Sie vormerken sollten:
Wichtige Vorsorgeuntersuchung für Frauen
Auf diese Untersuchungen zur Früherkennung haben gesetzlich Versicherte Anspruch.
Check-up 35: Von 18 bis 35 einmalig, ab 35 alle drei Jahre
Zum Gesundheits-Check-up gehören ein Arztgespräch zur medizinischen Vorgeschichte, die sogenannte Anamnese, sowie eine Untersuchung des gesamten Körpers mit Blutdruckmessung, Blutprobe, eine Prüfung des Impfstatus sowie das Beratungsgespräch zu den Ergebnissen.
Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs: ab 20 jährlich
Bei der gynäkologischen Untersuchung wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals für den Pap-Test entnommen. Ab 35 Jahren können Frauen alle drei Jahre eine Probe auf humane Papillomaviren (HPV) durchführen lassen.
Chlamydien-Screening: ab 25 jährlich
Per Urintest kann eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis entdeckt werden. Diese weltweit häufigste sexuell übertragbare bakterielle Erkrankung kann Entzündungen der Gebärmutter und der Eileiter verursachen und zur Unfruchtbarkeit führen.
Tastuntersuchung der Brust: ab 30 jährlich
Die Gynäkologin oder der Gynäkologe tastet einmal im Jahr die Brust mit den Händen ab.
Hautkrebs-Screening: ab 35 alle zwei Jahre
Die Untersuchung dürfen nur Ärztinnen und Ärzte durchführen, die eine zertifizierte Fortbildung abgeschlossen haben.
Mammographie-Screening: zwischen 50 und 70:
Bei der Röntgenuntersuchung wird nach Veränderungen im Brustgewebe gesucht. Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt Frauen, dass sie sich umfassend über die Untersuchung informieren und auf dieser Basis für oder gegen eine Teilnahme entscheiden. Bei der Mammographie werden von jeder Brust zwei Röntgen-Aufnahmen gemacht. Dafür wird die Brust flach zwischen zwei Platten gepresst. Die Bilder werden dann von zwei speziell ausgebildeten Fachärzten und Fachärztinnen ausgewertet. Normalerweise erhalten Frauen das Ergebnis innerhalb von sieben Werktagen.
Darmkrebs-Früherkennung: ab 50
Zwischen 50 und 54 können Frauen mit einem Papierstreifentest ihren Stuhl auf Blut testen lassen. Zuverlässiger ist eine Darmspiegelung. Dabei lassen sich mögliche Krebsvorstufen, sogenannte Polypen, erkennen und direkt entfernen. Anspruch darauf haben Frauen ab 55. Ist der Befund unauffällig, kann die Untersuchung nach zehn Jahren wiederholt werden.
Von diesen Leiden sind vor allem Frauen betroffen. Was hilft und wann sollten Sie das Problem besser ärztlich abklären lassen?
Häufige Regelschmerzen
Die Monatsblutung empfinden viele Frauen nicht nur als lästig, sondern sie leiden auch unter Schmerzen im Unterleib. Gut zu wissen: In deiner Apotheke vor Ort kannst du dich beraten lassen, welche rezeptfreien Medikamente Linderung verschaffen. Natürlich gibt’s dort auch Hygieneartikel, krampflösenden Tee und andere sanfte Helfer aus der Apotheke der Natur! Frage einfach das Apothekenpersonal um Rat. Außerdem können Entspannungstechniken und bestimmte Yoga-Übungen die Beschwerden dämpfen. Kurse findest du über deine Krankenkasse, die Volkshochschulen sowie gelegentlich auch bei Fitnessstudios.
App-Tipp:
Speziell für junge Frauen mit starken Regelschmerzen haben Wissenschaftler:innen der Charité Berlin die App Luna entwickelt. Sie bietet Tipps und Anleitungen, um eine einfache Selbstakupressur durchzuführen. Mithilfe von Bildbeschreibungen erklärt die App genau, welche Punkte die Betroffenen drücken müssen, damit die Schmerzen nachlassen.
Vielleicht ist es Endometriose?
Die Tage vor den Tagen und die Monatsblutung ist regelmäßig richtig qualvoll? Dann berichte deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Möglicherweise handelt es sich um Endometriose. Das ist eine schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, ähnlich der Gebärmutterschleimhaut, außerhalb der Gebärmutter wächst. Diese Wucherungen können sich auf Eierstöcken, Eileitern, Darm oder anderen Organen ansiedeln. Mögliche Folgen sind starke Menstruationsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bis hin zu Unfruchtbarkeit.
Harnwegsinfekt und Blasenentzündung
Frauen sind anfälliger für Blasenentzündungen als Männer: Ihre Harnröhre ist kürzer, was Bakterien leichter den Weg zur Blase ermöglicht. Hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre können die Anfälligkeit erhöhen. Auch sexuelle Aktivität kann Bakterien in die Harnröhre einführen. Tipp: Nach dem Sex Pipi machen, dann spült der Harn mögliche Erreger weg. Und nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten abwischen, um die Ausbreitung von Bakterien zu verhindern.
Die Jahre des Wechsels
Die Wechseljahre beginnen in der Regel bei Frauen zwischen dem Alter von 45 und 55 Jahren. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch von Frau zu Frau variieren. Die sogenannte Menopause markiert das Ende der reproduktiven Phase einer Frau, wenn die Menstruation für mindestens 12 aufeinanderfolgende Monate ausgeblieben ist.
Davor durchlaufen Frauen in der Regel die Phase der Perimenopause. Dann kann der Hormonspiegel aus der Balance geraten und Menstruationszyklen werden möglicherweise unregelmäßig. Das kann belastend und lästig sein.
Gut zu wissen: Die Wechseljahre sind ein natürlicher Bestandteil des weiblichen Lebenszyklus und werden von Frau zu Frau unterschiedlich erlebt. So kann die Regelblutung ausbleiben, ohne dass jegliche Beschwerden auftreten. Andere Frauen hingegen klagen über teils Jahre andauernde, quälende Symptome – dazwischen gibt es alle Schattierungen von Wechseljahrs-Phänomenen. Tipp: Wende dich an deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen, wenn du folgende Symptome als mehr als unangenehm empfindest. Es sollte ärztlich abgeklärt werden, ob nicht eine Erkrankung dahinter steckt, beziehungsweise welche Behandlung dir helfen kann.
Ob zum Thema Schwangerschaft, Zyklus und Verhütung oder Menopause: Apps fürs Smartphone versprechen Unterstützung auf Schritt und Tritt – das Handy ist schließlich heute regelmäßiger Begleiter. Das Angebot an Apps, die auf die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind, wird immer größer. Seriöse Angebote sind bei der Weissen Liste zu finden. Das ist ein unabhängiges Gesundheitsanbieter-Vergleichsportal.
Mit der kostenlosen gesund.de App hast du immer direkten Kontakt zu deiner Apotheke vor Ort. Dort findest du kompetente Beratung zu allen Aspekten von Frauengesundheit, etwa alternativen und neuen Möglichkeiten der Behandlung.