Was Männer über bestimmte Risiken wissen sollte.
Männer haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen – auch, weil ihr Lebensstil oft nicht gesundheitsfördernd ist. An welche Krankheiten Männer noch denken sollten und wie sie sich davor schützen können, haben wir dir in diesem Ratgeber zusammengefasst.
Medizin ist für alle da. Warum gibt es dann eine Unterscheidung zwischen Frauen- und Männergesundheit? Fakt ist: Der sprichwörtlich kleine Unterschied ist in Wirklichkeit ein großer. Frauen und Männer haben verschiedene Symptome und reagieren unterschiedlich auf Therapien. Was Männer berücksichtigen sollen, erfährst du hier:
Es klingt selbstverständlich, doch tatsächlich ist es wichtig: Mehr Männer sollten ein umfassendes Verständnis für ihre körperliche und psychische Gesundheit entwickeln. Studien zeigen, dass unser Gesundheitsverhalten auch vom Geschlecht abhängt. Männer ernähren sich häufiger ungesund und greifen eher zu Suchtmitteln, wie Alkohol und Zigaretten. Zudem gehen sie seltener zur Vorsorge als Frauen. Früherkennung ermöglicht, häufige Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Im besten Falle lassen sich diese – oder wenigstens mögliche ernste Folgen – mildern oder ganz vermeiden. Dazu sollten mehr Männer besser erkennen, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung, ein aktiver Lebensstil und die Beschäftigung mit psychischen Belastungen ist – und zwar in jedem Alter.
1. Erektile Dysfunktion
Medizinerinnen und Mediziner sprechen von erektiler Dysfunktion, wenn Betroffene über Potenzprobleme, Erektionsstörungen oder Impotenz klagen.
Jeder Mann hat ab und zu eine erektile Dysfunktion – ab 60 jeder Dritte.
Das passiert jedem Mann ab und zu und ist zunächst ganz normal. Zeit für eine ärztliche Abklärung wird es, wenn ein Mann in mehr als zwei Dritteln der Versuche und über mehr als sechs Monate hinweg keine Erektion bekommen oder aufrechterhalten kann. Das heißt in diesem Fall: Der Penis wird nicht genügend steif oder er erschlafft zu schnell wieder. Die Probleme werden mit fortschreitendem Alter häufiger. So ist etwa unter den 40- bis 49-Jährigen nur knapp jeder zehnte Mann betroffen, bei Männern ab 60 dann bereits jeder dritte. Oft aus Scham leiden viele, ohne sich einem Arzt oder einer Ärztin anzuvertrauen.
Ab zum Doc: Probleme gibt’s nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern auch bei der Selbstbefriedigung? Falls zudem normale Erektionen im Schlaf ausbleiben, könnte ein körperliches Leiden dahinterstecken. Potenzprobleme können ein Alarmzeichen für andere Krankheiten sein. Daher besser ärztlich checken lassen.
Diese Ursachen gibt es: Sehr häufig liegt bei Betroffenen eine Durchblutungsstörung vor. Dabei strömt zu wenig Blut in den Penis oder es fließt zu rasch wieder ab. Hintergrund können auch Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen sein. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung fördern das Auftreten von Potenzproblemen. Zudem können bestimmte Medikamente eine erektile Dysfunktion als Nebenwirkung verursachen. Nervenschäden oder Krankheiten, die das zentrale Nervensystem betreffen, sind ebenfalls mögliche Gründe. Bei jüngeren Männern ist die Ursache häufig psychischer Natur. Stress, Leistungsdruck, Ängste und Depressionen können die Potenz schwächen.
Was hilft? Inzwischen gibt es eine Reihe von Medikamenten. Am bekanntesten sind Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer), die die Durchblutung des Penis verstärken. Eine weitere Möglichkeit ist die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT). Dabei spritzt sich der Betroffene selbst mit einer dünnen Nadel ein Medikament in den Schwellkörper des Penis. Dadurch entsteht eine Erektion, die rund eine Stunde anhält. Ein ähnliches Ergebnis versprechen Mini-Zäpfchen, die in die Harnröhre eingeführt werden.
Ab auf die Couch: Bei psychischen Belastungen, die das Liebesleben lahmlegen, können therapeutische Gespräche helfen.
Alternativen zur medikamentösen Behandlung ist die Vakuumtherapie, bei der der Patient mittels Saugpumpe mehr Blut in den Penis treibt. Darüber hinaus gibt es Implantate aus Silikon, die operativ in den Schwellkörper eingesetzt werden. Wenn psychische Belastungen im Vordergrund stehen, kann ein Gespräch mit einem Sexualtherapeuten oder einer Sexualtherapeutin hilfreich sein.
2. Prostataprobleme
Die Prostata oder Vorsteherdrüse ist eine kastanienförmige Drüse unterhalb der Harnblase. Sie ist über das Rektum tastbar. Manchen gilt sie als Lustzentrum, quasi als G-Punkt des Mannes. Die Prostata wächst mit dem Alter – ähnlich wie die Nase oder die Ohren. Viele Männern machen sich darüber erst bei der Vorsorgeuntersuchung Gedanken, oder wenn sie Probleme haben. Bei über 75-Jährigen ist die Vorsteherdrüse fast immer etwas vergrößert – das bedeutet nicht automatisch, dass eine Krankheit vorliegt. Schon etwa ab dem 35. Lebensjahr kann die Prostata an Volumen zunehmen.
Viele Männer machen sich über ihre Prostata erst bei der Vorsorgeuntersuchung Gedanken…
Eine gutartige Vergrößerung der Prostata, eine sogenannte benigne Prostatahyperplasie, kann zu Beschwerden beim Wasserlassen und -halten führen. Treten neben diesen Problemen hohes Fieber und Muskelschmerzen auf und ist der Urin getrübt, dann sollte das unverzüglich abgeklärt werden. Die Symptome können auf eine Prostataentzündung (Prostatitis) hinweisen.
Welche Therapien gibt es?
Bei leichten Symptomen lautet die Strategie meist „kontrolliert zuwarten“. Die Männerheilkunde kennt außerdem eine Reihe von medikamentösen und operativen Behandlungsmethoden. In der Apotheke gibt es pflanzliche Arzneimittel, etwa Präparate mit den Wirkstoffen des Arzneikürbis, der Sägepalme und der Brennnessel.
Abwarten und Tee trinken: In der Apotheke gibt es eine Reihe pflanzlicher Mittel, die bei leichten Prostatabeschwerden helfen können.
Sogenannte α1-Rezeptorblocker sind verschreibungspflichtig. Sie sorgen dafür, dass sich die Muskulatur um die Prostata entspannt und steigern die Harnflussrate. Andere Wirkstoffe reduzieren die Wirkung von Hormonen in der Prostata. In der Folge verkleinert sich ihr Volumen. In bestimmten Fällen hilft nur noch eine Operation. Dabei wird die Prostata durch die Harnröhre verkleinert und abgetragen. Das ist auch mit Lasern möglich. Eine noch recht neue Option sind Implantate, welche die Harnröhre offenhalten.
Ist das Krebs?
Eine vergrößerte Prostata bedeutet noch nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Ein Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor der Vorsteherdrüse und die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Fachärztinnen und -ärzte für Urologie empfehlen allen Männern ab 40, ihre Prostata einmal jährlich untersuchen zu lassen. Dabei wird geklärt, ob es sich um eine gutartige Vergrößerung handelt oder um einen Tumor. Die Krankenkassen zahlen den Früherkennungstest meist erst ab dem 45. Lebensjahr. Kommt Prostatakrebs in der Familie vor, dann ist eine Untersuchung schon ab dem Alter von 35 Jahren ratsam.
Ab 40 einmal im Jahr zum Prostata-Check! 30 Euro, die sich lohnen können…
Bei der Untersuchung werden die Leistenregion und die äußeren Genitalien sowie über den Enddarm die Prostata abgetastet. Der sogenannte PSA-Test ist eine weitere Möglichkeit der Früherkennung. Dabei wird das „prostataspezifische Antigen“ (PSA) im Blutserum bestimmt. So sollen bereits frühe Spuren eines Prostatakarzinoms erkannt werden. Als Früherkennung müssen gesetzlich versicherte Männer vor dem 45. Lebensjahr die Kosten meist selbst übernehmen (ca. 30 Euro). Bei Verdacht auf Prostatakrebs decken die gesetzlichen Krankenkassen die Leistung. Tipp: Lassen Sie sich beraten, welche Untersuchung ratsam ist.
3. Die Hodenuntersuchung
Hodenkrebs ist relativ selten, jedoch zugleich die häufigste Tumorerkrankung der 20- bis 45-Jährigen. Jährlich erkranken daran mehr als 4000 Männer in Deutschland. Hodenkrebs entsteht normalerweise aus den Keimzellen der Hoden, die für die Produktion von Spermien verantwortlich sind. Die genauen Ursachen für Hodenkrebs sind nicht vollständig geklärt. Eine familiäre Vorgeschichte von Hodenkrebs, Hodenhochstand in der Kindheit und genetische Anomalien erhöhen wahrscheinlich das Risiko. Früh erkannt, ist diese Form von Krebs gut heilbar. Die wichtigste Maßnahme ist die Selbstuntersuchung. Das geht ganz einfach und sollte am besten regelmäßig einmal im Monat durchgeführt werden.
Ran an die Kronjuwelen: einmal im Monat an den Hoden-Check denken!
So funktioniert der Selbsttest:
Während oder nach dem Duschen, wenn der Hodensack entspannt ist, jeden Hoden sorgfältig abtasten. So fallen Unregelmäßigkeiten wie Knoten, Verhärtungen, Schwellungen oder Schmerzen am besten auf. Wenn Sie während der Selbstuntersuchung Veränderungen oder Anomalien feststellen, am besten sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Frühzeitiges Handeln und eine professionelle medizinische Untersuchung sind entscheidend, um Hodenkrebs erfolgreich zu behandeln und die Chancen auf eine vollständige Genesung zu maximieren.
4. Die männlichen „Wechseljahre“
Auch bei den Männern verändert sich der Hormonspiegel mit dem Älterwerden – wenn auch nicht so stark, wie bei Frauen. Mit dem Alter nimmt bei Männern der Testosteronspiegel ab. Mögliche Folgen sind mangelnder Lust auf Sex, allgemeine Antriebsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und eine Gewichtszunahme, vor allem am Bauch. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, kann der Arzt oder die Ärztin Testosteron als Medikament verschreiben. Das beugt auch Osteoporose vor. Der Knochenschwund ist eine häufige Krankheit des Alters – auch Männern sind betroffen.
Weniger Lust auf Sex und Knochenschwund – auch Männern kommen in die „Wechseljahre“…
Welche Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig?
Männer ab 50 haben Anspruch auf eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen. Dazu zählt alle drei Jahre ein genereller Gesundheits-Check in der hausärztlichen Praxis inklusive Hautkrebs-Screening. Bei Männern ab 45 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Prostata-Vorsorgeuntersuchung. Im Rahmen der Darmkrebsvorsorge gibt es den jährlichen Test auf Blut im Stuhl. Alternativ können zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren durchgeführt werden. Und nicht vergessen: regelmäßig zur Zahnvorsorge!