Mythen rund um das Impfen – und Impfgegner – gibt es so lange wie das Impfen selbst. Doch vor allem in den Jahren der Corona-Pandemie gewannen Impfmythen eine neue Dynamik. Viele davon halten sich bis heute hartnäckig. Was ist dran?
Schon seit der ersten Impfung gegen Pocken Ende des 18. Jahrhunderts existieren Impfmythen. Durch die Immunisierung mit Kuhpockenviren würden Menschen auch Eigenschaften von Kühen entwickeln, prophezeite damals Immanuel Kant. Von dem Philosophen bis zu Robert F. Kennedy Jr., dem US-Gesundheitsminister in der zweiten Amtszeit von Donald Trump, zieht sich eine Linie von Impfskeptikern und Impfmythen durch die Geschichte.
Muss man nach Impfungen immer mit unerwünschten Begleiterscheinungen rechnen? Und wenn Impfungen über einen langen Zeitraum eine Schutzwirkung haben, können sie dann vielleicht auch langfristige Schäden bei Geimpften anrichten? Um diese Frage drehen sich zahlreiche Impfmythen.
Beispiele für hartnäckige Impfmythen sind:
Im Zusammenhang mit den massenhaften Impfungen gegen Corona machten außerdem skurrile Verschwörungserzählungen die Runde. Mit der Impfung würden tödliche Nanobots eingeimpft und später durch das damals neue 5G-Mobilfunknetz aktiviert.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist an all diesen Mythen nichts dran. Zu den hartnäckigsten Mythen lässt sich konkret Folgendes sagen:
Natürlich möchten Eltern gerade ihren Babys Schmerzen ersparen. Und natürlich schreien die Kleinen beim Stich der Impfnadel. Dennoch ist dieser kurze Schmerz unbedeutend gegen die möglichen schwerwiegenden Folgen, die ohne Impfung drohen. Die von der STIKO für das Alter von acht Wochen empfohlene Sechsfach-Impfung etwa schützt vor Krankheiten wie Diphtherie, Hepatitis B, HiB, Keuchhusten, Kinderlähmung und Wundstarrkrampf.
Diese Krankheiten zeigen ernsthafte Symptome und können mit lebenslangen Schäden einhergehen. Dank Impfungen sind Diphtherie und Kinderlähmung heute fast verschwunden, während vor 60 Jahren noch Tausende Kinder darunter litten.
Auch das von manchen Eltern vorgebrachte Argument, das Immunsystem eines Kindes werde stärker, wenn es eine Krankheit selbst durchmacht, ist nicht stichhaltig. Denn auch eine Impfung trainiert das Immunsystem – und zwar ohne bleibende Schäden hervorrufen zu können.
Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Impfung Schäden zurückbleiben, ist verschwindend gering. Verlässliche Zahlen dazu existieren nicht, allerdings wurden Verdachtsfälle während der Corona-Pandemie erfasst. Zwischen 2021 und 2024 wurden in Deutschland laut dem Paul Ehrlich Institut (PEI) über 197 Millionen Covid-19-Impfungen verabreicht. Unter diesen lag die Zahl der „Verdachtsfälle mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen“ bei lediglich 0,32 Meldungen pro 1.000 Impfdosen – also rund 0,03 Prozent.
Da es sich dabei um Verdachtsfälle handelt, ist nicht klar, ob die Impfung tatsächlich die Ursache für den Schaden war. Dennoch muss man wissen: Wie jede medizinische Behandlung können auch Impfungen Nebenwirkungen haben. Wer unsicher ist, sollte beim Arzt oder der Ärztin nachfragen.
Diese Frage können letztlich nur große sozial-psychologische Studien beantworten. Worüber sich aber viele Expertinnen und Experten einig sind: Impfungen verhindern Todesfälle und schwere Verläufe von Krankheiten. Diese Erfolge sind nicht sichtbar. Ein Impfschaden hingegen tritt nur extrem selten auf – ist dann aber sichtbar. Deshalb werden die seltenen Schäden gegenüber den häufig ausbleibenden Todesfällen und schweren Verläufen überproportional stark gewichtet.
Sämtliche seriösen medizinischen Informationen stützen sich auf Studien und andere evidenzbasierte Quellen. Gegenüber Aussagen, bei denen diese Quellen fehlen, ist grundsätzlich Skepsis angebracht. Auch lohnt ein Blick auf den Absender einer Information. Ist es eine staatliche Stelle, ein Forschungsinstitut – oder eine interessengetriebene Website oder Social-Media-Quelle, auf der vielleicht noch weitere zweifelhafte Aussagen zu finden sind?
In Deutschland werden Impfempfehlungen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) ausgesprochen. Diese ist ein Gremium von unabhängigen, ehrenamtlich arbeitenden Expertinnen und Experten, das am Robert Koch Institut (RKI) angesiedelt ist – einer Art Gesundheitsamt auf Bundesebene. Dort findet man verlässliche Informationen. Für die Zulassung von Impfstoffen ist das Paul Ehrlich Institut zuständig, auch hier gibt es vertrauenswürdige Antworten auf alle wichtigen Fragen. Auch bei Ärzteverbänden oder den Krankenkassen kann man sich informieren.
Wie bei Verschwörungstheorien generell können auch Gespräche über Impfmythen schwierig sein. Gerade während der Corona-Pandemie, in der neben dem Schutz der Gesundheit des Einzelnen auch immer der Schutz der Gemeinschaft im Fokus stand, sind hier vielfach die Fronten verhärtet.
Fachleute empfehlen, genau hinzuhören und mehr über persönliche Bedürfnisse statt über politische Positionen zu sprechen. Also lieber: „Ich lasse mich impfen. Nicht weil man das so macht, sondern weil es mir persönlich vorteilhaft erscheint.“ Oder: „Ich lasse mich nicht impfen. Nicht, weil alle meine Freunde das auch nicht tun, sondern weil ich Angst davor habe.“ Über die empfundenen Vorteile des einen und die empfundene Angst des anderen kann man leichter ins Gespräch kommen.
Quelle: Wort und Bild Verlag